Weshalb unterstützen Sie die „Erfurter Resolution“, Herr Sondermann?

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Apr 10, 2015 Kommentare deaktiviert für Weshalb unterstützen Sie die „Erfurter Resolution“, Herr Sondermann? Redaktion_alt

Portraitphoto sondermann

Johannes Sondermann ist Mitglied der AfD-Berlin. Ihn stört, dass die Spitzenpolitiker der AfD anders als noch 2013 alternativen Medien kaum noch Interviews geben und sich dem politisch-medialen Mainstream mehr und mehr anpassen.

 

Weshalb unterstützen Sie die Erfurter Resolution, Herr Sondermann?

Als ich Samstag, den 14. März, über die Berichterstattung vom Thüringer Landesparteitag von der Erfurter Resolution erfuhr, brauchte ich nicht lange für meinen Entschluß, meinen Namen darunter zu setzen. Die leidige Anpasserei an den politisch-medialen Mainstream zeigt sich für mich besonders deutlich in der Interviewpraxis des Bundesvorstandes.
Während unsere Spitzenpolitiker 2013 beispielsweise noch Jürgen Elsässers Compact-Magazin Interviews gaben, distanziert man sich jetzt von einem Kongreß in NRW, auf dem u. a. Karl Albrecht Schachtschneider und Jürgen Elsässer auftreten. Wer aus dem Bundesvorstand würde sich denn mal trauen, dem Compact-Magazin oder der Sezession ein Interview zu geben?
Stattdessen orientiert man sich mehr und mehr an Leitmedien und paßt sich dem an, was dort erwünscht ist. Man läßt sich von den Leitmedien die Themen diktieren und vor allem die Art und Weise, wie über diese Themen zu sprechen ist. So kann man zwar besonders schnell in den Bundestag kommen, nur kann man dann dort keine alternative Politik mehr vertreten, die diesen Namen verdient. Dafür hätten wir keine neue Partei gründen müssen.

Spaltet die Erfurter Resolution nicht die Partei?

Die Erfurter Resolution spaltet nicht, sie offenbart Schwächen. Das ist ein großer Unterschied. Auch zwei Jahre nach der Gründung hat die AfD immer noch kein Parteiprogramm. Das Pferd wurde falsch aufgezäumt: Zuerst soll mit einer Satzungsänderung ein Vorsitzender gewählt werden, dann erst soll über Inhalte geredet werden.
Der Vorsitzenden und die Vorstände aber haben – man werfe einmal einen Blick in die Satzung der Fachausschüsse – direkten Einfluß auf die inhaltliche Arbeit der Landesfachausschüsse, können Themen streichen oder Positionen verordnen.
Deswegen wäre es besser, der Bundesparteitag würde erst ein demokratisch entwickeltes Parteiprogramm beschließen und dann, auf dieser Grundlage, einen Vorsitzenden wählen. So droht nun die Spaltung, wenn die Führung ihre Auffassungen etwa zu bürgerlichen Protestbewegungen oder entgegen dem Beschluß des Erfurter Parteitages gegen die Basis durchzusetzen versucht.

Wann hat die Erfurter Resolution Erfolg, wann scheitert sie?

Die Erfurter Resolution, die ich nicht als Flügel bezeichnet hätte, wird dann erfolgreich sein, wenn wir Parteimitglieder haben, die den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, kritische Fragen zu stellen, und sich nicht wieder von einer Parteitagsregie an die Hand nehmen lassen. Ich halte eine aktive, inhaltliche und programmatische Beteiligung möglichst vieler Parteifreunde an Parteitagen für unerlässlich. Wir wollen  keine Delegiertenparteitagspartei werden, wo die Stimme der Basis nur noch als Störfaktor empfunden wird.