Weshalb unterstützen Sie die „Erfurter Resolution“, Frau Dr. Baum?

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Apr 11, 2015 Kommentare deaktiviert für Weshalb unterstützen Sie die „Erfurter Resolution“, Frau Dr. Baum? Redaktion_alt
IMG_0026 Dr. Christina Baum ist Vorsitzende des Kreisverbandes Main-Tauber und Erstunterzeichnerin der Erfurter Resolution. Sie will die Souveränitätseinschränkungen, die sich durch die Mitgliedschaft Deutschland in Nato und EU ergeben, anders als ihr Parteifreund Geiger, nicht einfach hinnehmen.

 

Weshalb unterstützen Sie die „Erfurter Resolution“, Frau Dr. Baum?

Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie es war, als ich das erste Mal von dieser neuen Partei, der „Alternative für Deutschland“, las. Nachdem ich mich über den Inhalt des Programms informiert hatte, trat ich sofort ein. Jeden einzelnen Punkt dieses Papiers konnte ich unterschreiben, und so wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben Mitglied einer Partei.

Diese drei Buchstaben – A f D – sollten mein zukünftiges Leben komplett verändern. Sie waren für mich der Lichtstrahl zwischen all den düsteren Wolken, die ich in unserem Land aufziehen sah. Ich sah Baustellen an allen Ecken und Enden: Euro und EU, Energiewende, Gender Mainstreaming, Radikalisierung des Islam, Herabsetzung des Bildungsniveaus, Gleichmacherei überall. Und kein einziger Politiker schien etwas ähnliches wahrzunehmen! Keine Partei unternahm irgendeine Korrektur oder steuerte gar dagegen. Nichts.

Und dann kam er – Bernd Lucke! Er sprach all die unbequemen Wahrheiten aus, die niemand sonst hören und sehen wollte. Er war für mich der Retter Deutschlands. Ich bewunderte, wie souverän und gelassen er die Attacken in den Talkshows hinnahm. Ich bewunderte sein eloquentes Auftreten, seinen wachen Geist. Für ihn und die Zukunft unseres Landes opferte ich ab sofort jede freie Minute.

Doch nun, nach gerade mal zwei Jahren, ist meine Hoffnung auf diese grundsätzlichen politischen Veränderungen durch die AfD fast vollständig geschwunden. Den deutlichen Beweis dafür lieferte prompt der vor ein paar Tagen aus Baden-Württemberg geforderte Mitgliederentscheid über politische Themen.

Zitat: „Wir bejahen die Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO und in der EU. Wir treten allen Versuchen entgegen, die sich daraus ergebenden Souveränitätseinschränkungen Deutschlands zum Anlass zu nehmen, offen oder verdeckt den Austritt Deutschlands aus der NATO oder aus der EU zu fordern ….“

Der Autor stellt also ganz klar fest, dass die Mitgliedschaft in NATO und EU zu Souveränitätseinschränkungen Deutschlands führen, die wir einfach hinnehmen sollen! Bravo! In der Charta der Vereinigten Nationen steht: „Die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit jeden Staates sind unverletzlich.“

Weitere Zitate: „Wir setzen uns für das Wohl des deutschen Volkes und für die Interessen Deutschlands in der Welt ein. Die AfD lehnt es aber entschieden ab, sich mit überhöhten „vaterländischen“ Attributen zu schmücken. (…)
Deutsche Politik muss nationale Interessen vertreten. Doch müssen wir uns auch heute noch der nachvollziehbaren Empfindlichkeiten in anderen Ländern wegen der im Dritten Reich begangenen Verbrechen bewusst sein. Ein markig zur Schau gestellter deutscher Patriotismus ist der wünschenswerten Völkerverständigung nicht zuträglich. Er erschwert die Durchsetzung unserer nationalen Interessen (…)“

Der Verfasser hat also immer noch nicht begriffen, dass es keine Kollektivschuld gibt. Er möge sich gern weiter schuldig fühlen – ich aber nicht! Wer spricht eigentlich heute noch von den Verbrechen und Gräueltaten der USA im Vietnam- Krieg, die mir sehr deutlich bei meinem dortigen Besuch aufgezeigt wurden? Ein kleines, tapferes Volk hat einem Riesen gezeigt, was ihm seine Freiheit wert ist!

Ich stelle auch keinen Patriotismus zur Schau. Ich bin ehrlich stolz auf unser Land, auf unsere Kultur, auf all die hier lebenden Menschen, die Deutschland zu dem gemacht haben, was es heute ist – ein blühendes Land, in dem jeder in Freiheit leben kann. Diese tief empfundene Liebe zu meinem Vaterland, in dem ich geboren wurde und das nun zufälligerweise Deutschland heißt, nenne ich „Patriotismus“, der im Übrigen, viel ausgeprägter, in allen anderen europäischen Staaten eine Selbstverständlichkeit ist.

Was geschieht nun also mit mir? Soll ich die AfD verlassen oder werde ich gar „entfernt“, Herr Geiger? Was sind Ihre diesbezüglichen Vorstellungen?

Die „politischen Festlegungen“ dieses Aufrufes, die offenbar die Richtung der neuen, angepassten AfD bestimmen sollen, haben aber auch gar nichts mehr mit dem zu tun, was im ersten Parteiprogramm zur Bundestagswahl 2013 stand. Diese Thesen können niemals Konsens werden für alle freiheitlich denkenden Menschen. Sie sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen, denn sie machen die AfD zu einer beliebigen Systempartei und stoßen all die treuen Mitglieder vor den Kopf, die an die Versprechungen von Bernd Lucke geglaubt haben.

Hier der Link zu diesem Aufruf: http://www.mitgliederentscheid-afd.de. Was bedeutet eigentlich das „Wir“, Herr Geiger? Wer steht außer Herrn Ronald Geiger noch hinter dieser Forderung? Das hätte ich sehr gerne gewusst. Ich bitte wegen allseits gewünschter Transparenz um die Namensliste!

Ein AfD Mitglied aus Bayern hält übrigens die Verwendung des kompletten AfD-Layouts für äußerst bedenklich, da damit der Anschein erweckt wird, dass es sich um „offizielle Seiten“ der AfD handelt, und sagt:
„Jede anständige Firma (Telekom, div. Banken, Daimler, Siemens, BASF etc.) wehrt sich gegen die missbräuchliche und oder private Verwendung ihrer Logos und Warenzeichen.“ Oder ist dieser Internetauftritt etwa vom Landesvorstand „abgesegnet“ und somit „offiziell“?

Spaltet die „Erfurter Resolution“ nicht die Partei?

Sie ermahnt alle Funktionsträger, sich an das ursprüngliche Parteiprogramm zu halten und diesem treu zu bleiben. Damit haben wir vielen Menschen Hoffnung gegeben. Sie haben uns für diese ursprünglichen Positionen gewählt und ein Abweichen von diesen wäre ein grober Vertrauensmissbrauch. Die Erfurter Resolution weist also auf die Verantwortung hin, die wir gegenüber unseren Wählern übernommen haben. Wer daraus eine Spaltungsabsicht ableitet, hat nichts begriffen.

Wann hat die „Erfurter Resolution“ Erfolg, wann scheitert sie?

Sie hat dann Erfolg, wenn sie alle Verantwortlichen und jedes einzelne Mitglied daran erinnert, wofür wir einst angetreten sind:

„Höflichkeit und Respekt vor Andersdenkenden sollte auch das innerparteiliche Kennzeichen der AfD sein. Wir sind eine Partei mit einer lebendigen innerparteilichen Demokratie – das unterscheidet uns von den Altparteien. Dass es viele unterschiedliche Meinungen gibt, ist nicht nur normal, es ist eine Bereicherung für eine Partei. Wir wollen keine Denkverbote, deshalb darf jede Meinung, die grundgesetzkonform ist, vertreten werden und sollte respektiert werden. Das Bewusstsein, dass niemand im Besitze der ganzen Wahrheit ist, sollte jeden von uns leiten, wenn wir jetzt daran gehen, der AfD ein Parteiprogramm zu geben.“ (Bernd Lucke)

Viele von uns haben inzwischen erfahren, dass es sehr schwierig ist, sich der Mainstream-Meinung entgegenzustellen. Aber eines muss uns allen klar sein: Die Unfreiheit des Menschen beginnt mit dem Verlust der Meinungsfreiheit !

Wollen wir also das höchste Gut, dass ein Mensch besitzt – die Freiheit – bewahren, haben wir keine andere Wahl! Wir müssen uns dem Meinungskartell von rot über grün bis hin zur CDU entgegenstellen!