„Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!“ Björn Höckes Rede zum Flügeltreffen am Kyffhäuser, 06. Juni 2015

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Jun 14, 2015 Kommentare deaktiviert für „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!“ Redaktion_alt

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Aus ganz Deutschland seid Ihr gekommen. Es ist gut, daß Ihr hier seid. Es ist wichtig für unsere Partei und unser Land, daß wir dieses Zeichen der Einheit setzen.
Ich danke Euch dafür!

Unser Flügeltreffen wäre nicht möglich gewesen ohne den aufopferungsvollen Einsatz vieler fleißiger Helfer.
Ich kann nicht jeden einzelnen aufrufen. Deswegen möchte ich hier stellvertretend für alle einen Mann erwähnen, der mit Abstand die meiste Arbeit auf sich genommen hat.
Es ist RA Jürgen Pohl!

Ein besonderer Dank gebührt unseren Wirtsleuten. Sie haben dem Druck der linksextremen Gesinnungsterroristen nicht nachgegeben und unsere Veranstaltung verteidigt.
Das nenne ich Mut, das nenne ich Zivilcourage!

Liebe Freunde, im März dieses Jahres präsentierten wir die Erfurter Resolution.
Wir, das war eine Gruppe von Parteifreunden, die unaufgeregt für die ursprüngliche Grundsätzlichkeit der AfD einsteht.

Ich erinnere noch einmal: Wir schieden nicht in Liberale und Konservative. Wir trennten nur diejenigen, die die AfD schnell zu arrivieren und zu etablieren gedenken von denen, die die AfD auf einem grundsätzlichen Erneuerungskurs halten wollen.
Und diesen unbedingten Geist begehrten wir in den parteiinternen Willensbildungsprozeß einzuspeisen – mehr nicht.

Es gab keine Angriffe auf einzelne Personen. Es gab kein Interesse am Parteiaustritt von führenden Köpfen. Es gab keinen Gedanken an Spaltung.
Die Erfurter Resolution war nicht ursächlich für den heftigen Diskussionsprozeß, sie katalysierte selbigen bloß. Darin hatte sie und hat sie eine wichtige Funktion.
Und deswegen sage ich nach wie vor ja zur Erfurter Resolution!

Die Reaktion der sogenannten Deutschland-Resolution war auf Konfrontation und Denunziation angelegt. Sie ist grandios gescheitert: Gut so!
Genauso wir der Geiger-Entscheid, der in den basisdemokratisch angelegten Programmprozeß eingreifen und diesen „einhegen“ wollte.

Der für seine medial vorgetragenen Rüpelattacken bekannte Hans-Olaf-Henkel hat den „Erfurtern“ „völkisches Denken“ vorgeworfen.
Um das noch einmal klarzustellen: Ich tue das, was das Grundgesetz an vielen Stellen tut:
Ich stehe zum Begriff des Volkes. Selbstverständlich.

„Volk“ ist für mich etwas über Jahrhunderte Gewachsenes. Es ist eine Werte- und Erfahrungsgemeinschaft. „Volk“ unterliegt natürlich der Veränderung. So gab es zu jeder Zeit beispielsweise Zu- und Abwanderung. Ich vertrete keinen ausgrenzenden Nationalismus.
Aber als Konservativer wehre ich mich gegen ideologiebegründete Menschheitsbeglückungsphantasien, die dem Machbarkeitswahn einzelner entsprungen sind. Und in diesem Zusammenhang sage ich: Die forcierte Transformation unseres Volkes in eine multikulturelle Gesellschaft lehne ich ab!

„Völkisch“ ist aber natürlich gegenwärtig ein stigmatisierender Kampfbegriff. Hans-Olaf-Henkel hat mit seinem Anwurf gegen Parteifreunde der Partei einen Bärendienst erwiesen. Genau wie diejenigen, die sich in den letzten Wochen nicht entblödeten, mit der Nazi-Keule oder ähnlichen Waffen auf Parteifreunde einzuschlagen.
Sie alle nährten die Stigmatisierungsmuster, die die Begriffsherrschaft der etablierten Kräfte absichert und die letztlich unseren politischen Handlungsspielraum einschränkt.
Das ist der eigentliche Skandal, liebe Freunde!

Dann kam der Weckruf 2015. Er setzte das ins Werk, was „Der Flügel“ nicht machte: Eine Partei in der Partei zu gründen – und das mit der Drohung eines Massenaustritts, also einer Spaltung.
Ich betone: Bernd Lucke hat sich um den Aufbau dieser Partei verdient gemacht wie kein anderer. Ich weiß nicht, was ihn treibt, sein Aufbauwerk zu zerstören. Ich weiß nur eines:
Nämlich daß dieser Bernd Lucke leider nicht in der Lage ist, das konservativ-liberale Credo unserer Partei in der notwendigen Spannbreite sowie Tiefe zu erhalten und diese Partei als Integrationsfigur in die Zukunft zu führen!

Mittlerweile kommt aus der Weckruf-Gruppe nur noch krudes Zeug. Laut KÖLNER STADT- ANZEIGER vom 26.Mai 2015 sieht Bernd Lucke einen „rechten Flatterrand“ in der AfD.
Ja, wo ist er denn, der „rechte Flatterrand“?
Besonders kritikwürdig sei die Absicht Björn Höckes, ein Treffen am Kyffhäuser-Denkmal zu veranstalten. Dieses sei ein beliebtes Pilgerziel von Rechtsradikalen. Davon ginge eine verheerende Wirkung aus.
Das ist schlimm, ich bin betroffen – ich bin betroffen über so viel Geschichtsvergessenheit!
Betroffen dürfte übrigens auch die SPD sein. Die lädt am 10. Juli zum Jahresempfang auf den Kyffhäuser.

Kommen wir also mal zu den angenehmen Dingen. Kommen wir zum Kyffhäuser.
Ich finde die Vielgestaltigkeit dieses Ortes atemberaubend. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes erhebend, auf diesem Berg zu verweilen. Die Schönheit der Landschaft, die Aus- und Fernblicke erquicken meine Seele.

Da ist die alte Reichsburg Kyffhausen mit ihren gewaltigen Ausmaßen: Mit 600 Metern Länge und 50 Metern Breite ist sie eine der größten Burganlagen Deutschlands. Der Burgbrunnen ist 176 m tief in den Felsen getrieben worden. Er ist einer der tiefsten in Europa. Was für eine Willensleistung.

Da ist natürlich das Kyffhäuser-Denkmal, das die Hohenzollern in die Kontinuität des mittelalterlichen Kaisertums stellt. Hintergrund ist die Kyffhäusersage: Nach der Sage schläft in einer Höhle des Kyffhäuserberges Kaiser Friedrich I (Barbarossa) mitsamt seinen Getreuen, um eines Tages zu erwachen, das Reich zu retten und es wieder zu neuer Herrlichkeit zu führen.
Eine schöne Sage. Eine Sage, die den Menschen in den vergangenen Jahrhunderten – gerade in den Kriegs- und Krisenzeiten – Hoffnung gemacht hat. Allerdings auch eine Sage, die indirekt zum Abwarten auffordert.

Ich sage ganz deutlich: Hilf‘ Dir selbst, dann hilft Dir Gott! Ein neuer Rotbart wird unserem Land nicht erscheinen. Und die sich aufpotenzierenden Krisendynamiken, die Staatsschulden-, Banken- und Währungskrise, die demographische Krise, die Einwanderungskrise, die außenpolitischen Krisen, die Sozialstaatskrise etc. dulden kein Verharren auf das Hoffen und Zuwarten.

Wir müssen handeln – und zwar jetzt. Und wir handeln zurzeit dadurch am besten, daß wir die AfD als Partei der klaren Kante in Opposition zu den Altparteien erhalten und ihr damit die Möglichkeit geben, zur dominierenden Volkspartei in Deutschland zu werden. Das ist unser Weg!

Das Denkwürdigste auf diesem Berg sind in meinen Augen allerdings nicht die alte Stauferburg oder das Kyffhäuser-Denkmal.
Das Denkwürdigste ist etwa 10 Tonnen schwer, fünf Meter groß und aus bayerischem Porphyr gefertigt.
Es ist das Standbild des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.
Dabei spielt hier die Person Hindenburgs keine große Rolle. Es ist völlig egal, ob wir ihn als letzten Verteidiger der Weimarer Republik sehen oder als den Mann, der Hitler letztlich doch den Weg zur Kanzlerschaft ebnete.

Die heutige Lage des Denkmals ist entscheidend. Denn dieses Standbild liegt seit 2004 halb ausgegraben in der Erde. Wie kann das sein, fragt man sich?
Zuerst versuchte die russische Besatzungsmacht nach 1945 das Standbild zu sprengen. Sie scheiterte, das Material war zu hart. Die DDR-Verantwortlichen ließen den alten Hindenburg in ihrer Not eingegraben.
Ein Gastwirt suchte 2004 gezielt nach dem Standbild, wurde schnell fündig und wollte es aufstellen.
Die Behörden erklärten jedoch, daß eine Aufstellung des Standbildes schwierig sei und Hindenburg als umstritten gelte. Soweit in Kürze der Sachverhalt.

Für mich symbolisiert dieser seit 11 Jahren halb ausgegrabene Hindenburg die ganze Seelenlage unseres Volkes bzw. seiner Repräsentanten.
Der offizielle historische Rückgriff erfolgt nicht, um Orientierung zu erlangen, die ein Dafür hervorbringt, sondern nur um ein Dagegen zu produzieren.
Der Mensch ist aber auf Orientierung hin angelegt. Destruktion und Dekonstruktion verhindern diese positive Orientierung. Ohne die geht es aber nicht.
Das Behördenhandeln zeigt Mutlosigkeit auf. Die Mutlosigkeit resultiert aus der fehlenden geschichtlichen Selbstvergewisserung, die jedem lebendigen Volk zueigen ist.
Dieser Mutlosigkeit entspringt eine Politik, die nur noch verwaltet, auf Sicht fährt, aber nicht mehr gestaltet und langfristig Visionen umzusetzen sucht.
Oder anders ausgedrückt: Ein Volk, daß keine Denkmäler mehr errichtet, sondern nur noch Mahnmale, hat keine Zukunft!

Daher ist die AfD für mich auch eine Kraft, die das Ja zur eigenen Geschichte selbstbewußt aussprechen muß. Und die AfD ist eine Kraft, die das Politikverwalten überwinden und Visionen für Deutschland, Europa und die Welt im 21. Jahrhundert formulieren muß!

Der Zustand unserer Partei ist aktuell ein trostloser. Sie ist sogar gefährdet. Und sie ist deswegen gefährdet, weil führende Köpfe ihre Einzelinteressen, das heißt im Vorfeld der Bundesvorstandswahlen den parteiinternen Machterwerb, über die Gemeinwohlinteressen der Partei stellen.

Es ist unerträglich, wenn die eigene Profilierung nicht über Inhalte, sondern gegen Parteifreunde – dazu noch medienöffentlich und damit auf Kosten der Partei – betrieben wird. Das ist grob parteischädigend!
Diese Hochzeit für Personaltaktierer, Personalarithmetiker, Intriganten, besonders Schlaue, Rechenschieber und Machtversessene, wie das Götz Kubitschek einmal beschrieben hat, widert mich an.

Und der Kommentar in den DEUTSCHEN WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN vom 4. Juni war berechtigt. Dort hieß es unter der Überschrift: AfD: Dieser Flop schadet der Demokratie:

„Doch die AfD langweilt das politische Publikum und trägt dazu bei, dass man an der Demokratie am liebsten verzweifeln möchte. Geht es am Ende wirklich nur um Posten, Karriere und Intrigen?“
Vertun wir uns nicht. Die Oligarchisierung und Hierarchisierung in einer Partei ist etwas quasi Naturgesetzliches. Ihre Erstarrungstendenzen auch. Wie groß unser Zeitfenster sein wird für die grundsätzlichen Reformen in diesem Land, hängt auch davon ab, welches Ethos unsere Führungsriege in sich trägt.
Willenskastraten mit fehlendem historisch-politisch-philosophischem Tiefenbewußtsein und mangelhafter politischer Fernzielperspektive können wir dort nicht gebrauchen, liebe Freunde!

Welche Aufgabe hat „Der Flügel“, haben wir „Erfurter“?
Ich vergleiche die Partei mit einem Hochwald. Hier tobt der Kampf ums Dasein in allen Vegetationsschichten. Diesem Kräftemessen der Parteinatur entziehen wir uns so gut es geht. Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung von Visionen und Antithesen.
Wir können allerdings nicht, um einmal etwas philosophisch zu werden, den Anspruch erheben, Lichtung im Sinne Heideggers zu sein. Das wäre vermessen, weil der Parteirahmen dem Lichten des Seins sehr enge Grenzen zieht.

Daher sehe ich uns als Parteischonung. Das Sein kann sich hier im Dasein zumindest setzen, weil ein Hegeraum eingerichtet wird. „Der Flügel“ ist für mich gerade deshalb eine „tiefe Gründung“, weil er sich nicht hierarchisiert und institutionalisiert.
Er ist die Schonung des guten Geistes und unbefangenen Denkens, in der die Zukunft der Partei gesichert steht.
„Der Flügel“, das sind wir.

Wir leisten Selbstvergewisserung in der Rückschau.

Wir leben Standhaftigkeit in der Gegenwart.

Wir formulieren Visionen für die Zukunft.

Wir halten die AfD auf Kurs „Klare Kante“.

Wir sind die Avantgarde der Partei!

Ich bin überzeugt, daß es überwiegend Flügel-Leute waren, die in den letzten zwei Jahren die Hauptlast der Wahlkämpfe getragen haben.
Unsere Leidenschaft war es, die uns von den überkommenen Parteien unterschied.
Sie war unser wesentliches Alleinstellungsmerkmal.

Liebe Freunde, ich will das gute Gefühl nicht verlieren, unbefangen auf unsere Mitbürger zutreten zu können. Ich will auch in den nächsten Jahren in Bürgergesprächen immer authentisch sagen können: Wir sind anders!
Ich will meinen Glauben nicht verlieren, daß Veränderung möglich ist.

Mit Euch träume ich davon, daß die Menschen in unserem Land ihre staatsbürgerliche Würde wiederentdecken, sich selbst aufklären, ihren Willen demokratisch leben und die Allmacht der Parteien brechen;

daß die Deutschen sich selbst wiedergewinnen und erkennen, daß die Identität die Grundlage für wahre Weltoffenheit ist;

daß Europa einen selbstbestimmten und eigenständigen Weg der Einheit in Vielfalt gehen kann;

daß die Staatengemeinschaft zu einer multipolaren Weltordnung ohne Hegemonialstreben findet;

und daß die Menschheit ihre Vielgestaltigkeit als Grundlage eines dauerhaften Ausgleichs von Ökologie und Ökonomie versteht.

Lassen wir uns unsere visionäre Kraft nicht nehmen!

Erhalten wir gemeinsam die AfD als visionäre Kraft!

Es gilt das gesprochene Wort.