Prinzipien alternativer Islampolitik II von Dr. Hans-Thomas Tillschneider

Home  »  Flügelschläge  »  Prinzipien alternativer Islampolitik II
Jan 31, 2016 7 Comments ›› Redaktion

2016.01.25. Islamthesen Tillschneider II

Am vergangenen Montag haben wir die Einleitung und die ersten vier Thesen Hans-Thomas Tillschneiders zu den "Prinzipien alternativer Islampolitik" veröffentlicht.

Diese können Sie HIER abrufen.

 

  1. Es geht nicht um Religion und Recht, es geht um Kultur und Politik!

Die Islamverbände gleichen in ihrer Struktur und ihrem Verhalten eher politischen Parteien als Religionsgemeinschaften. Es handelt sich um Ableger internationaler Netzwerke, die in den islamischen Stammländern verankert sind und auf weltweiten Machtzuwachs hinarbeiten. Zur Durchsetzung ihrer rein politischen Interessen berufen diese Verbände sich auf die Religionsfreiheit.

Aus Sicht des Islam, der noch nie zwischen Religion und Politik getrennt hat, ist ein solches Vorgehen nur konsequent. Wenn die Islamverbände ein religiöses Recht nutzen, um ihr politisch-kulturelles Hegemoniestreben abzusichern, handeln sie im Einklang mit ihrem Weltbild. Aus unserer Sicht aber liegt darin ein schwerer Mißbrauch der Religionsfreiheit. Zweck der Religionsfreiheit ist nicht, die Machtposition von politischen Verbänden auszubauen, sondern Gläubige vor Verfolgung und Repression zu schützen.

Verschärfend kommt hinzu, daß die europäische Linke in den Islamverbänden Verbündete bei ihrem Kampf gegen die abendländisch-christliche Tradition gefunden hat. Wenn fremdkulturelle Religionen die Religionsfreiheit in gleichem Umfang wie die christlichen Kirchen in Anspruch nehmen, sind multikulturelle Verhältnisse die Folge. Die Religionsfreiheit wird zum Vehikel einer multikulturellen Transformation. Sie fungiert als trojanisches Pferd, den Kulturrahmen aufzubrechen, der unsere Verfassungsordnung erst möglich gemacht aus.

Mittlerweile bemühen sich auch ehemals konservative Partei wie in Deutschland die CDU oder in Großbritannien die Tories verstärkt um die Islamverbände, während das Bündnis zwischen linken Parteien und Islamverbänden Risse zu zeigen beginnt.

Die linken Parteien erkennen, daß ihre liberale Gesellschaftspolitik mit islamischen Lebensvorstellungen schlechterdings nicht zu vereinbaren ist, während pseudokonservative Parteien glauben, konservativ eingestellte Muslime als Wähler gewinnen zu müssen und zu diesem Zweck einen völlig inhaltsleeren reinen Wertkonservativismus propagieren.

Gegen diese pseudokonservativen Islamlobbyisten müssen wir klarstellen: Es gibt keinen in irgendeinem Sinne „konservativen“ Gesellschaftsentwurf, der ein Leben nach deutschen und islamisch-orthodoxen Vorstellungen umfaßt. Solche Visionen sind mindestens ebenso irreal wie linke Utopien.

Gegen die linken Islamlobbyisten wiederum müssen wir herausstellen: Recht verstandene Religionsfreiheit legitimiert keine multikulturelle Deformation von Nationalstaaten! Volle Religionsfreiheit kann nur im Rahmen einer gemeinsamen, von allen Religionen geteilten Kultur bestehen. Ein solcher Rahmen wiederum kann nicht von heute auf morgen per Dekret verordnet oder durch Masseneinanwanderung hergestellt werden; er muß in Jahrhunderten wachsen.

Viel hängt davon ab, ob es uns gelingt, den Mißbrauch der Religionsfreiheit durch Islamverbände und etablierte Parteien ins Bewußtsein zu rufen! Wir müssen die Islamdiskussion wo immer möglich von den Themen „Recht“ und „Religion“ weg und zu den Themen „Kultur“ und „Politik“ hinführen. Unsere Rede sei: Es geht nicht um Religionsfreiheit, es geht um den Machtwillen der Islamverbände! Die Religionsfreiheit wird mißbraucht, um eine politische Agenda durchzusetzen. Das Problem am Islam ist nicht, daß er eine Religion ist; das Problem am Islam ist, daß er – aus unserer Sicht - eine fremdkulturelle Religion ist.

 

  1. Soviel Kulturvorbehalt wie möglich – so wenig Religionsfreiheit wie nötig!

Würden wir dem Islam die Berufung auf die Religionsfreiheit gänzlich verweigern, würden wir unsere eigene Tradition verraten. Eine solche Reaktion wäre nur eine weitere Variante der Selbstaufgabe. Wahre Stärke zeigt sich darin, daß wir auch angesichts der Bedrohung durch den Islam an unserer Tradition der religiösen Toleranz festhalten.

Der Islam mag eine fremdkulturelle Religion sein, er ist nichtsdestotrotz Religion und kann sich auf Art 4 GG berufen. Die Grenzen aber, in denen er dies kann, diese Grenzen setzen wir. Jede Berufung auf die Religionsfreiheit muß unter den stärkstmöglichen Kulturvorbehalt gestellt werden.

Die Väter des Grundgesetzes hatten, als sie Artikel 4 formulierten, die Situation eines zwischen Protestantismus und Katholizismus geteilten Landes vor Augen; sie haben ganz sicher nicht die Anwesenheit von Millionen von Muslimen vorhergesehen. Das Grundgesetz ist nicht für den Islam gemacht.

Die Islamverbände wiederum blenden den Faktor Kultur konsequent aus und konstruieren so ein Gleichbehandlungsdilemma, wonach die christlichen Kirchen entweder alle Privilegien verlieren oder die Islamverbände all diese Privilegien erhalten müssen. Die geschichts- und kulturvergessene Auslegung des Bundesverfassungsgerichts bestärkt sie darin noch. Unsere Aufgabe dagegen ist, die Auslegungs- und Legislationsspielräume in die andere Richtung auszureizen: Soviel Kulturvorbehalt wie möglich, aber nur so wenig Religionsfreiheit wie nötig!

Das heißt konkret: Schleierverbot im öffentlichen Dienst, an Schulen und Universitäten nach Vorbild der alten, säkularen Türkei; Verbot von Schächtungen; Sargpflicht für Bestattungen; Genehmigung von Moscheebauten nur in unauffälliger Architektur; Verbot aller Islamverbände, die sich nicht vorbehaltlos zu unserer Verfassungsordnung bekennen; kein staatlicher Islamunterricht. Der staatliche Religionsunterricht ist als ein historisch bedingtes Sonderprivileg der christlichen Kirchen zu definieren.

Wir zwingen niemanden, seine Religion aufzugeben, ihre öffentliche Ausübung aber muß sich unseren kulturellen Gepflogenheiten fügen. Eine fremdkulturelle Religion kann nicht die gleiche Förderung erfahren wie eine Religion, die unsere Kultur über Jahrhunderte geprägt hat und über Jahrhunderte von ihr geprägt wurde. Religionsfreiheit kann kein Freibrief zur Verweigerung der Anpassung sein, die jeder Einwanderer erbringen muß.

 

  1. Islampolitik ist Teil der Einwanderungspolitik!

Wenn das Problem nicht der Islam ist, sondern die Präsenz des Islams in Deutschland, dann liegt ein Schlüssel zur Lösung des Islamproblems in der Einwanderungspolitik.

Wir wissen, was zu tun wäre. Niemand soll sagen, es gäbe keine einfachen Lösungen. Es gibt sie. Sie sind einfach. Jeder versteht sie. Die illegale Masseneinwanderung, die den islamischen Parallelgesellschaften Verstärkung bringt, muß sofort beendet werden. Auch kontrollierte Einwanderung aus islamischen Gebieten ist zu unterbinden. Prinzipiell gilt, daß Einwanderung kulturell zu uns passen muß.

Bereits hier ansässige Einwanderer mit Integrationsdefiziten müssen zu Integrations- und Sprachkursen verpflichtet werden. Verweigerung ist mit empfindlichen Sanktionen zu belegen bis hin zur Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft. Die Funktionäre und Agitatoren verbotener Islamverbände sind konsequent in ihre Heimatländer auszuweisen. Scharia-Gerichte und rechtsfreie Räume müssen mit dem Maximum an Härte, das der Rechtsstaat ermöglicht, verfolgt werden.

 

  1. Kulturelle Vielfalt erhalten!

Indem die multikulturelle Gesellschaft fremde Kulturen in einer Gesellschaft zusammenwirft, führt sie entweder zu gewaltsamen Konflikten, wenn die fremden Kulturen sich nicht assimilieren, oder raubt ihnen, wenn sie sich assimilieren, ihren Charakter. Die multikulturelle Gesellschaft hebt sich so zwangsläufig selbst auf, sei es durch Zerfall, sei es durch Verschmelzung der vielen Kulturen zu einer, die dann nicht mehr die unsere ist.

Kulturelle Vielfalt dagegen ist überhaupt erst in der Abgrenzung der Völker entstanden und setzt, soll sie weiterhin bestehen, eine Welt aus in sich relativ homogenen und gegeneinander abgegrenzten Kulturen voraus. Diese Vielfalt der Weltkulturen zu wahren und ihnen in ihren angestammten Gebieten freie Entfaltungsmöglichkeiten zu sichern, ist das höchste Ziel der Weltpolitik.

Wir weisen jeden imperialistischen Überlegenheitsanspruch der einen Kultur gegenüber der anderen zurück. Das betrifft nicht nur den Menschenrechtsuniversalismus des Westens, der sich oft genug als Menschenrechtsbellizismus zeigt, sondern auch den nicht weniger imperialistischen Machtanspruch des orthodoxen Islams, der auf lange Sicht die gesamte Welt einer islamischen Herrschaft zu unterwerfen trachtet.

Wenn wir von dem Islam einen Reformschritt fordern, dann ist es die Aufgabe seiner auf Weltherrschaft gerichteten Expansionstendenz. Der Islam muß anerkennen, daß die Gebiete in Nordafrika und dem Vorderen Orient sein traditionelles Gebiet darstellen, in dem er sich frei entfalten kann, während er sich in den übrigen Weltregionen den dort herrschenden Gepflogenheit fügen muß. Für eine Welt der Kulturen und Nationen, gegen die graue Einheitswelt der Globalisten!

 

Dr. Hans-Thomas Tillschneider (1978) ist Islamwissenschaftler und Publizist. Zwischen 1998 und 2004 studierte er in Freiburg, Damaskus und Leipzig Islamwissenschaften, Philosophie und Deutsche Literaturgeschichte; seit 2010 ist er Akademischer Rat am Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität Bayreuth. Tillschneider ist Erstunterzeichner der Erfurter Resolution und Mitbegründer sowie Sprecher der Patriotischen Plattform. Zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 13. März 2016 kandidiert er für die Alternative für Deutschland auf Listenplatz 10.

Facebook: Hans-Thomas Tillschneider

Kommentare

  1. Arthur Watermann sagt:

    Der Text in seiner Gesamtheit ist für eine Diskussion viel zu lang.
    Eine Orientierung läßt sich nur mit Mühe erschließen.
    Es fehlt der durchschlagende Gedanke.

    Überhaupt nicht in den Blick kommt der wertorientierte säkulare Staat, der jede Religion zur Privatangelegenheit werden läßt. Das Gebot der Humanität ist kein exklusives Recht des Christentums, wobei man schon weite Strecken seiner politischen Geschichte außer Acht lassen muß.

    Die Forderung nach Abschaffung der Kirchensteuer für die christlichen Kirchen wäre da nicht nur eine revolutionäre Forderung, sondern würde auch den Islam, so er sich als politische Waffe darstellt, in einem anderen Licht erscheinen lassen.

    Wer eine grundlegende politische Umgestaltung will, muß auch den Blick auf die politischen Verwerfungen im Innern richten.

    Arthur Watermann

  2. T. Franke sagt:

    Der zentrale Punkt ist, dass Religionsfreiheit natürlich nicht schrankenlos gelten kann, sondern immer das Grundgesetz als Schranke hat. Eine Religionsfreiheit gegen das Grundgesetz kann es nicht geben (und gibt es rechtlich tatsächlich auch nicht). Ergo können nur solche Religionsgemeinschaften sich hier etablieren, die sich konsequent dem Grundgesetz verbunden fühlen. Wer das nicht kann, gehört verboten. Soweit das „Recht“.

    Die Kultur hinter dem Grundgesetz ist christlich-humanistisch. Insofern das GG weltanschauungsneutral sein will, auch „nur“ humanistisch. Damit ist auch kulturell die Grenze definiert, welche Religionsgemeinschaften hierher gehören: Nur solche, die sich dem humanistischen Denken geöffnet haben. In diesem Sinne würden auch christliche Sekten, die das ablehnen, nicht hierher gehören. Soweit die „Kultur“.

    Ich denke, dass man Recht und Kultur nicht gegeneinander ausspielen sollte, beide sind aufeinander bezogen.

    Die Kultur steckt bereits in unserem Recht drin. Man sollte sich insbesondere nicht der Lüge auf den Leim gehen, dass unser Recht einem traditionalistischen, nicht-reformierten Islam hilflos und hypertolerant gegenüberstehen würde. Das wird uns von unseren Gutmenschen-Politikern nur suggeriert. In Wahrheit ist unser Grundgesetz ein scharfes Schwert. Man muss es nur führen wollen (aber daran hapert es ja bei den derzeit Herrschenden auch sonst an allen Ecken und Enden).

    Insofern implizite Zustimmung zu diesem Satz: „Jede Berufung auf die Religionsfreiheit muß unter den stärkstmöglichen Kulturvorbehalt gestellt werden.“ — Nur dass der Kulturvorbehalt natürlich selbst als Recht zu fassen ist (bzw. bereits jetzt als Recht gefasst ist und nur endlich einmal angewendet werden sollte).

    Zustimmung: Kopftuchverbot in Schulen, Unis, Behörden, Arbeitsplätzen allgemein. Ausweisung von Funktionären mit unpassender Ideologie. Kappung der Verbindungen zu Herkunftsstaaten. Österreich ist hier fortschrittlicher als wir. Und Einwanderung muss kulturell passen: Ja. Das schließt Muslime allerdings nicht prinzipiell aus. Und Christen nicht prinzipiell ein. Gerade unter orientalischen Christen gibt es bisweilen auch Ehrenmorde: Das passt auch nicht.

    Ich stimme übrigens dafür, dass die christlichen Kirchen ihre Privilegien weitgehend verlieren. Man überlege mal: Kirchensteuer? Staatsleistungen an die Kirchen wegen Enteignung von 1806? Ein Platz im GEZ-Rundfunkrat? Konfessioneller Religionsunterricht? Das alles ist so veraltet wie die GEZ-Gebühr. Zu einer Reform des Religionsunterrichtes siehe z.B. dieses Papier:
    http://www.thorwalds-internetseiten.de/weltbild-humanismus-schule.htm

    Gegen die Ablehnung des Menschrenrechtsuniversalismus hatte ich bereits bei Teil 1 argumentiert. Dazu sage ich hier nichts mehr.

    Ich plädiere dafür, den Islam nicht monolihisch zu betrachten, sondern besser auf der Ebene von konkreten Religionsgemeinschaften zu argumentieren. So wie es „das Christentum“ in konkreter Form auch nicht gibt, sondern eben verschiedene Kirchen.

    Das Wort „orthodox“ zur Bezeichnung eines Islam, der nicht zu uns passt, halte ich für unglücklich gewählt. „Orthodox“ bedeutet „rechtgläubig“, und was „rechtgläubig“ ist, sollte dem Außenstehenden egal sein. Ist ein Muslim rechtgläubig, wenn er alle Legenden über Mohammed glaubt? Oder ist ein Muslim rechtgläubig, wenn er erkannt hat, dass das nur Legenden sind, und Mohammed etwas anders war? — Ich plädiere statt dessen für den Begriff „Traditonalismus“ im Sinne des folgenden Thesenpapiers, wie man das Islam-Problem richtig fassen soll:
    http://www.thorwalds-internetseiten.de/weltbild-humanismus-islam.htm

  3. Siegmar Baumgärtel sagt:

    „Das Problem am Islam ist nicht, daß er eine Religion ist; das Problem am Islam ist, daß er – aus unserer Sicht – eine fremdkulturelle Religion ist.“
    Das trifft nicht ganz den Kern: das Problem ist, dass der Islam eben keine (reine) Religion ist, sondern ein totalitäres und zudem „fremdkulturelles“ Gesellschaftsmodell, eine Symbiose aus Religion und Diktatur.

  4. M.Wohlfarth sagt:

    Zustimmung und Kritik:

    1.
    „Wenn das Problem nicht der Islam ist, sondern die Präsenz des Islams in Deutschland, dann liegt ein Schlüssel zur Lösung des Islamproblems in der Einwanderungspolitik.“

    Ja, einige der genannten Maßnahmen für den Umgang mit dem Islam i n D e u t s c h l a n d sind nötig und möglich, wenn die Klarsicht und das Grundgesetz die politische Mehrheit bekommt. Der Islam hört aber trotzdem nicht auf, ein Problem zu sein, nur, weil wir ihn uns ein wenig vom Hals halten.

    2.
    „Wenn wir von dem Islam einen Reformschritt fordern, dann ist es die Aufgabe seiner auf Weltherrschaft gerichteten Expansionstendenz. Der Islam muß anerkennen, daß die Gebiete in Nordafrika und dem Vorderen Orient sein traditionelles Gebiet darstellen, in dem er sich frei entfalten kann, während er sich in den übrigen Weltregionen den dort herrschenden Gepflogenheit fügen muß. Für eine Welt der Kulturen und Nationen, gegen die graue Einheitswelt der Globalisten!“

    Der Islam wird gar nichts anerkennen, was für eine Träumerei!! Weil er sich sicherlich von niemandem auf der Welt seinen Islam = Unterwerfungs – Anspruch ausreden lassen wird. Er würde seinen eschatologischen Kern aufgeben und den vom Christentum übernommenen und gewaltper-vertierten Aspekt der Sendung in die Welt. Auch das echte Christentum wird nie beliebig werden, wie es die zeitgeisterlegenen Kirchenfunktionäre anstreben.

    Politische und rechtliche Antworten sind wichtig, aber sie reichen nicht. Wenn wir die maßgebliche kulturelle und sinnstiftende Quelle für Menschenwürde/Recht und Freiheit weiter versiegen lassen, dann verwelken die Früchte an dem Baum unserer Rechtskultur rasant weiter.
    Wer Leiden, Unrecht und Unheil in der islamischen Kultur (oder auch in unserer eigenen) nicht fatalistisch hinnehmen kann, weil er ein Herz und ein Gewissen hat, der wird im hier diskutierten Beitrag viel Brauchbares finden, aber es wird ihm nicht genügen.

    Können wir, um vom Islam unbehelligt zu bleiben, die Welt geographisch in kulturelle Biotope einteilen und gleichmütig zusehen, wie die Muslime schwer unter dem Islam leiden, wie er in seinen Ländern immer wieder Elend, Unterdrückung und fanatisches gegenseitiges Morden hervorbringt, Menschen versklavt und seiner Jugend keine Perspektive gibt, weil er nicht dazu fähig ist? Wenn wir sehen, daß die Muslime die sind, die am meisten unter der islamischen Identität und Kultur leiden, müssen wir uns eingestehen, daß bestimmte christlich – abendländische Werte nicht nur in geduldige UN –Papiere Eingang fanden, sondern auch in unsere Gewissen. Andernfalls könnten wir auch Tourismusreisen zum Begaffen der letzten Menschenfresser beim Festessen organisieren.

    Matthias Wohlfarth

  5. AdamvonderWiese sagt:

    Mit dem „innenpolitischen“ Teil kann man sich ohne weiteres identifizieren. Einige Bemerkungen wären hingegen zum sozusagen „außenpolitischen“ angebracht. Die gelten dem allzu häufig im Zusammenhang mit dem Islam benutzten Ausdruck „Entfaltung“ (der Kultur, Religion, Zivilisation u. ä.).
    Hätte ich so etwas wie das vorliegende Positionspapier in Auftrag bekommen, würde ich gar keine Äußerungen über abstrakte moslemische Entfaltungsrechte außerhalb Deutschlands ins Spiel ziehen. Die AfD hat im Moment dazu keine Befugnisse, und auch hätte die irgendwelche, so stellt Anerkennung der anderen Seite Rechte bei politischen Verhandlungen immer eine harte Währung dar, dessen Schenken an den Gegner höchst unklug wäre. Solch eine Großzügigkeit würde niemand schätzen und eine freiwillige Gegenleistung wäre kaum zu erwarten.
    Auch rein sachlich, ohne Rücksicht auf strategische und taktische Nachteile, ist die Bereitschaft, diesem oder jenem Zweig der islamischen Kultur irgendwo auf der Erde vorbehaltlos Machtmonopol zu gewähren, unbegründet. Sogar das Ursprungsgebiet Islams, dh. die Arabische Halbinsel, ist seit frühen Anfängen dieser Religion ein Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten gewesen – also keine eindeutig akzeptierte „Leitkultur“ sogar im Lande, wo außer Muslime niemand lebt. In allen anderen Regionen entstand moslemische Präsenz infolge brutaler Eroberungskriege gegen anderen Kulturen und Religionen, nicht zuletzt dem Christentum. Große Mengen Leute dort vertreten immer noch eine oder andere viel ältere, und aus europäischer Sicht auch wertvollere und uns gegenüber unvergleichbar günstiger eingestellte, Tradition. Diese Leute zu verraten in der falschen Hoffnung, einen weltweiten Ausgleich mit dem Islam zu erreichen, bringt Europäern nichts, beraubt sie aber einer ganzen Menge natürlicher Verbündeter. Ansonsten können wahrscheinlich nur Deutsche so naiv sein um zu glauben, man würde ohne permanenten Zwang die abgesprochenen Räume der „freien Entfaltung“ respektieren.
    Erinnert man noch an ein Beispiel der Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten eines radikal moslemischen Staates aus den 1990ern, nämlich nach Afghanistan? Die freie Entfaltung am Hindukusch endete mit den Angriffen am 11. September 2001. Totalitäre Ideologien allgemein – Islam ist dabei keine Ausnahme – können grundsätzlich keine Alternative in ihrer Nähe dulden, ohne Angriffe auf andere zivilisatorische Muster können die nicht lange überleben, so daß die „in Ruhe lassen“ bedeutet nur eines: eigene Sicherheit zu riskieren. Deshalb, auch wenn man nach den Erfahrungen der letzten 100 Jahre in Europa ganz ungern Kriege führt, im Fall Islam bleibt keine Wahl zwischen Krieg und Frieden übrig sondern lediglich zwischen einem heißen und einem mehr oder weniger kalten Krieg.
    Also, beim Formulieren eines tragfähigen deutschen bzw. europäischen Standpunktes zur Islamisierung reicht es vollkommen aus festzustellen, was man im Inland zuläßt und was nicht. Der Rest ist Außenpolitik.

  6. Dr. Martin Schlobies sagt:

    Sehr geehrter Herr Tillschneider!
    Ihren Hinweis auf ein populärwissenschaftliches Buch verstehe ich nicht!
    Und inwiefern ist es eine Legende, daß der Islam eine Religion der Aggression ist?
    (S. mein erstes Zitat aus dem Buch von Aloys Sprenger. )

    Mit sehr vielem in Ihrem Text bin ich einverstanden, aber:

    Dem verehrten Referenten würde ich empfehlen,
    1. den Text zu straffen und zu kürzen,
    2. auf Verschwörungstheorien zu verzichten, diese sind zwar im Augenblick modern, aber nicht stichhaltig.
    3. Wie einer der Kommentatoren schon ausgeführt hat, einige Hauptlinien deutlicher herauszuarbeiten.
    4. zu betonen, daß jetzt vor allem ein Islam-Gesetz notwendig ist, so wie es Österreich seit fast einem Jahr bereits hat.
    (Hier hat unsere Regierung wieder einmal etwas wichtiges versäumt. )

    I. Der Islam ist eine Religion der Agression. (s. mein erstes Zitat aus dem Buch von Aloys Sprenger. )
    II. Nicht Behutsamkeit, furchtsames Ausweichen und Gottesfurcht sind die Haupttugenden der Gläubigen, sondern kriegerischem Unternehmungsgeist und Todesverachtung werden die Märtyrerkrone und die höchste Belohnung im Paradies zugesprochen.
    III. Der Islam ist eine Religion mit einer ausgeprägt unterschiedlichen Innen- und Außenmoral. Etwas was das Christentum nicht kennt und daher unserem Denken fremd und fern ist. Das heißt, Glaubensgenossen und Nichtgläubigen gegenüber gelten völlig verschiedene Verhaltensregeln, auch die Barmherzigkeit Allahs, des Allerbarmers und ähnliches gilt grundsätzlich nur für die Gläubigen, die „Söhne Allahs“, die anderen sind die „Giaur“, die „ungläubigen Hunde“, sie müssen bekehrt, und wenn das nicht möglich ist, vernichtet werden. (s. mein erstes Zitat aus dem Buch von Aloys Sprenger. )
    IV. Der Islam kennt keine Trennung von Staat und Religion bzw. Kirche.
    V. Der Islam ist eine verfassungsfeindliche Religion und Doktrin, ein gläubiger Moslem kann niemals ein höheres Gesetz oder Recht als den Koran (und die Sunna) anerkennen, also auch nicht unser Grundgesetz. Islamische Verbände und Gemeinden sind daher immer im Verdacht, verfassungsfeindlich zu sein.
    Das ist übrigens schon lange deutlich zu erkennen, indem in den Parallelgesellschaften eine eigene Rechtsprechung ausgeübt wird. (Auch hiergegen entschieden vorzugehen hat unsere Regierung versäumt. )

    Hier noch ein Zitat aus dem Buch von
    Aloys Sprenger, Das Leben und die Lehre des Mohammad.
    (Nach größtenteils bisher unveröffentlichten Quellen !)
    Berlin, Nicolai, 2. Auflage, 1869
    „Nach der persönlichen Ansicht des Mohammad war Takwà, Behutsamkeit, furchtsames Ausweichen und wohl auch Gottesfurcht die Haupttugend eines Gläubigen. Die Umstände haben ihn gezwungen, kriegerischem Unternehmungsgeist und Todesverachtung die Märtyrerkrone und die höchste Belohnung im Paradies zuzusprechen.
    Ohne diesen Umschwung wäre der Islam nie die Religion der erobernden nomadischen Völker geworden, denen er seine Größe verdankt. Der Geist der Schule, aus der Mohammad hervorgegangen und deren Einfluß ihm bis an sein Lebensende anhing, ist mönchische Entsagung und Schwärmerei, der Geist der Schule, welche Mohammad stiftete, ist siegesgewisse Kraft und Klarheit.“

    (Eine kleine Ergänzung zu meinem ersten Zitat über den Islam:
    Ein Jahr nach der Schlacht bei Badr, also 624, haben die Korayschiten übrigens die Schlappe gutgemacht, die sie 623 erlitten hatten, und die Muslime geschlagen. Auch Mohammad war in Gefahr, getötet zu werden.)

  7. Dr. Martin Schlobies sagt:

    Noch zwei Bemerkungen:
    Eine Orientierung an der Vergangenheit erfolgt heute nicht, dafür werden freie, willkürliche Utopien und Liberalismen in die Welt gesetzt. Wir sollten unsere Gesellschaft als einen Organismus betrachten, der von der Vergangenheit gezeugt, durch die Tradition weitergegeben, der jetzt lebt im Austausch mit der Umwelt, und als Tradition wieder an die nächsten Generationen weitergegeben wird. So ein Organismus hat eigene Gesetze, einen eigenen Bauplan, und beileibe nicht alles, was von außen kommt, paßt dazu.
    Schon Ortega y Gasset „Über das Römische Imperium“ beklagt die „Frivolität und Inhaltslosigkeit des Liberalismus. Als ob die Freiheit einfach darin bestünde, in einem x-beliebigen Land plötzlich x-beliebige Freiheiten auszurufen. …
    Alle Veränderungen in der Gesellschaft müssen mit dem Gesamtgefüge der Strukturen, Traditionen und Glaubensgewissheiten einer Gesellschaft zusammen passen.“

    Man muß sich fragen, ob nicht heute eines der Grundrechte unserer Gesellschaft bereits faktisch aufgehoben ist, nämlich das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ein Mann wie Geert Wilders als Islamkritiker kann in Deutschland nur unter dem Schutz eines großen Polizeiaufgebots auftreten, Thilo Sarrazin und Abd el Samad als Islamkritiker leben unter Polizeischutz, und Abd el Samad kann sich nur mit drei bewaffneten Leibwächtern und einer kugelsicheren Weste in die Öffentlichkeit wagen.