Parteikonvent in Kassel: Inhalte statt Personaldebatten!

Home  »  Aktuelles  »  Parteikonvent in Kassel: Inhalte statt Personaldebatten!
Aug 10, 2016 5 Comments ›› Redaktion

 

Höcke Konvent

 

Liebe Freunde des Flügels, liebe Konventsdelegierte!

Am kommenden Wochenende tagt der Parteikonvent in Kassel. Die Tagesordnung ist den Delegierten zugegangen. Ein Tagesordnungspunkt lautet: „Beratung und Beschlussfassung über die Einberufung eines außerordentlichen Bundesparteitages mit den Tagesordnungspunkten ‚Abwahl des Bundesvorstandes‘ und ‚Neuwahl des Bundesvorstandes‘.“

Liebe Freunde des Flügels, liebe Delegierte, dieser Tagesordnungspunkt hat mich aufs Höchste alarmiert! Kein halbes Jahr nach Stuttgart kann ich vor einem Parteitag mit entsprechenden Inhalten nur eindringlich warnen. Informelle Umfragen zeigen, daß die Parteibasis einem solchen Ansinnen überwiegend ablehnend gegenübersteht. Das Ergebnis dieser Umfragen deckt sich zudem mit meinen Beobachtungen. Für diese ablehnende Haltung gibt es viele gute Gründe. Denn ein solches Vorhaben ist kraftzehrend und verspricht nur Satzungsjunkies und Strippenziehern neue Hochzeiten.  Jedem Patrioten aber, der spürt, dass unserem Vaterland die Zeit davonläuft, daß unser geliebtes Deutschland jeden Tag mehr verschwindet, muß es die Zornesröte ins Gesicht treiben.

Der Bundesvorstand ist auf unserem Mitgliederparteitag in Essen für zwei Jahre gewählt worden. Seine Amtsperiode endet regulär im Sommer 2017.

Als stark konservativ-bürgerlich geprägte Partei wissen wir vom Wert der Institutionen. Ein Vorstand ist eine solche Institution. Gepflegte und geachtete Institutionen entlasten und stabilisieren Gemeinschaften. Mit einer vorzeitigen Abwahl eines Vorstandes beschädigt die Partei nicht nur die abgewählten Amtsinhaber, sondern auch die Institution als solche. Mit der vorzeitigen Neuwahl unseres Bundesvorstandes würde ein Präzedenzfall geschaffen, der machtbewußte und von Eigeninteressen getriebene Einzelpersonen oder Gruppen zur Wiederholung einladen könnte.
Eine gefestigte Partei schleift ihre Institutionen gerade deshalb nicht – eine konservativ-bürgerliche schon gar nicht. Letztere sollten sie sogar mit fast allen Mitteln stabilisieren. Mehrfach beschädigte Institutionen werden schnell zu Ruinen und auch für die zunächst siegreichen Diadochen bald unbewohnbar. Darum ist es so wichtig, einen Wahlturnus auch in Konfliktsituationen durchzuhalten. Wer das nicht will oder kann, der zeigt, dass er nicht willens oder fähig ist, die eigene Person dem Inhalt unterzuordnen.

Die anhaltenden Konflikte im Bundesvorstand sind kein Geheimnis. Allerdings handelt es sich dabei offenkundig nicht um inhaltliche Differenzen, sondern um Beziehungskonflikte, die nicht selten in der Persönlichkeitsstruktur der Beteiligten gründen. Ein Narr, der glaubt, diese Streitigkeiten mit der Neuwahl eines Bundesvorstandes aus der Welt schaffen zu können. Diese Hoffnung dürfte schon aus formalen Gründen trügerisch sein: Zur Abwahl eines Bundesvorstandsmitgliedes bedarf es gemäß unserer Satzung einer Zweidrittelmehrheit.

Kann man wirklich annehmen, daß es einer der Konfliktparteien gelingt, die gegnerische Gruppe vollständig aus der Institution zu verdrängen? Wohl kaum. Bei einzelnen Protagonisten mag die Abwahl gelingen, bei anderen, die sich größerer Bekanntheit und Popularität in der Mitgliedschaft erfreuen, jedoch eher nicht. Folglich dürfte die Gegnerschaft der im Bundesvorstand verbliebenen Opponenten nach einer solch unangenehmen Prozedur mit Sicherheit nicht an Schärfe verlieren.
Inzwischen hat wohl jeder Landesverband die Erfahrung gemacht, daß es gar nicht wünschenswert ist und auch auf mangelnde Erfahrung der verantwortlichen Funktionäre in der Organisationsentwicklung hinweist, eine mögliche verbandsinterne Opposition aus einem gleichgeschalteten Arbeitsvorstand herauszuhalten. Denn die Opposition bleibt, verfestigt sich und verlagert ihre Aktivitäten auf den außerinstitutionellen Raum.

Am Ende könnte gar folgender Fall eintreten: Alle Protagonisten haben sich im Machtkampf so beschädigt, dass keiner wiedergewählt wird. Das wäre an für sich nicht schlimm, denn jeder ist ersetzbar, und der Eitelkeit mancher Führungsperson zum Trotz wird die AfD in erster Linie wegen ihrer Inhalte und weniger wegen ihrer mehr oder weniger bekannten Personen gewählt. Gleichwohl wäre der Konflikt nicht vom Tisch. Denn die gruppendynamischen Prozesse würden mit gänzlich anderen Personen in der Parteispitze aufs Neue losbrechen und wertvolle Energie verzehren.

Zusammenfassend kann man sagen: Die Neuwahl des Bundesvorstandes löst die Konflikte nicht. Sie kostet Hunderttausende Euro und vernichtet für die unwürdige und elende Mehrheitsbeschaffungsarbeit unbezahlbare Lebens- und Arbeitszeit, die wir besser in den politischen Kampf um unser sterbenskrankes Vaterland investieren sollten. In der Situation, in der sich unser Land befindet, zählt jeder Tag. Und es wäre eine Schande und eine Frevel, wenn die einzige relevante patriotische Kraft in Deutschland sich wochen- ja monatelang mit sich selbst beschäftigen sollte, nur weil sich das Führungspersonal zu wichtig nimmt und manch einer der Protagonisten den Nabel der Partei in seiner Mitte verspürt.

Die politische Arbeit wird in erster Linie von den fast autonomen Landesverbänden getragen. Die Kreisverbände halten den authentischen Kontakt zum Bürger. Wir kommen bis zum Sommer 2017 gut mit einem Bundesvorstand hin, der gemeinsam Kaffee trinken geht und sich mit der Erstellung von Werbematerial und alternativen Medienstrategien beschäftigt.

Meine an die Konventsdelegierten des Flügels gerichtete, eindringliche Bitte lautet deshalb:
Stimmen Sie gegen einen Bundesparteitag in diesem Jahr. Er raubt unserer Partei Geld und Arbeitskraft, und unserem Deutschland raubt er Zeit, die es nicht mehr hat!

Ihr Björn Höcke

 

Kommentare

  1. Werner Traub sagt:

    Dieser Artikel hat meine volle Unterstützung. Es ist jetzt an der Zeit, auf allen Ebenen gegen die Deutschland-Zerstörer und Kultur-Vernichter vorzugehen. Dazu ist es erforderlich, daß sich die Bundesführung am Riemen reißt und ihre Wahlperiode durchzieht, danach kann sie sich verabschieden, neu formieren oder sonst was zur Wahl stellen. Aber nicht jetzt!

  2. Thomas Huber sagt:

    Gut gesprochen, Bjoern Hoecke. Es braucht Einigkeit in der AfD, damit in Deutschland Recht und Freiheit wieder hergestellt werden. Hoffen wir alle auf ein blaues Wunder!

  3. Die Einwände gegen einen ausserordentlichen Parteitag / Neuwahl des Bundesvorstandes sind sicherlich berechtigt. Andererseits verhalten sich die gegenwärtigen Sprecher/in oftmals derart inkompetent und unverholen eigennützig, dass es dem Ansehen der Partei zum Nachteil gereicht. Insbesondere mit Hinblick auf die Bundestagswahlen im nächsten Jahr scheint es unumgänglich, der AfD rechtzeitig eine eindrucksvolle, erfahrene und rundum vertraubare Persönlichkeit voranzustellen, die insbesondere für den intuitiven Wähler auf einer menschlich fassbaren Ebene die Werte der Partei reflektiert. Es wäre daher zu überlegen, ob sich die AfD-Landesfürsten nicht auf einen Protagonisten wie z. B. Dr. Gauland einigen könnten .

  4. Peter Hoff sagt:

    Die Argumente von Herrn Höcke sind sehr nachvollziehbar. Wir sollten Dr. Gauland herausstellen. In die AfD-Führungsspitze gehören Personen, die integrieren und teamfähig sind, keine Spalter. Ob Dr. Petry hierzu gehört? Das sollte sehr kritisch geprüft werden. Als Bundespräsidentenkandidat sollte die AfD Thilo Sarrazin vorschlagen.

  5. Peter Hoff sagt:

    Nachtrag: Ich schätze Herrn Glaser sehr: Er ist absolut kompetent. Aber weder er noch Thilo Sarrazin haben eine Chance für das Bundespräsidentenamt. Für die AfD wäre es ein spannender Schachzug. Ich vermute jedoch, Sarrazin würde nicht kandidieren.