Heimat Ein Beitrag von Thorsten Weiß

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Mrz 28, 2018 Kommentare deaktiviert für Heimat Redaktion

„Was ist Heimat?“ fragt die Regierung und rümpft die Nase. „Was ist Heimat?“ fragen die Globalisten und spotten. „Was ist Heimat?“ fragt der Konsumist und vergisst die Frage bei dem Versuch, die Antwort zu erkaufen.

Wer heutige politische Diskussionen verfolgt, der kann den Eindruck bekommen, dass es sich bei der Heimat um einen beliebigen Ort handelt. Oft ist es angeblich der Staat, an den man Steuern entrichtet, dessen Pass man besitzt oder in den man vor kurzem eingewandert ist, zur Not auch illegal. Bei solch einer Denkweise haben dann Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft gleich doppelt so viel Heimat wie alle anderen. Übertroffen wird dieses vermeintliche Übermaß an Heimat nur noch von selbsternannten Weltbürgern, die ihre Heimat überall und nirgendwo zu finden glauben, in einer Art globalisierungsabhängigem Nomadentum. Der Glaube, dass Regierungen und staatliche Behörden Heimat an Einzelpersonen wie eine Ware verschenken könnten, bezeugt die Identitätsvergessenheit, die unsere Zeit so tief prägt wie kaum ein anderes Thema. Der erste Schritt, um zu verstehen, was Heimat ist, ist die Einsicht, dass sie mehr ist, als ein Menschenleben hervorbringen kann.

Heimat ist ein Wort, das sich selbst voraussetzt. Ohne unsere Sprache, die Teil unserer Heimat ist, können wir nicht erklären, was es bedeutet. Dieses Wort ist mit unseren Vorfahren über endlose Generationen gewachsen, ist gewachsen mit dem, was es bezeichnet. An diesem Ort, von diesen Familien, in dieser Sprache, um zu allen Zeiten all dies zu beschreiben: Die Mitglieder unserer Familien, die gemeinsam schaffen, unsere Sprache sprechen, unsere Traditionen pflegen, von den Früchten unserer Erde leben, in der unsere Stammbäume wurzeln. Wegen dieser geschichtlichen Gewachsenheit ist Heimat kein spontaner Zustand, keine flüchtige Empfindung, kein Gegenstand, der sich mit einer Hand greifen oder mit einem Finger zeigen ließe. Es ist der Ort der Selbstverständlichkeit. In der Heimat muss man sich nicht erklären, denn die Mitmenschen fühlen ganz ähnlich und wissen, was erfreut und was erzürnt, was sich gehört und was üblich ist. Diese Selbstverständlichkeit entspringt daraus, dass Heimat weder plötzlich entsteht, noch plötzlich ersetzt werden kann, denn Heimat lebt von der Gelassenheit. Was unsere Heimat spaltet, ob physische Mauern oder ideologische Gedankensperren, das reift nicht, das bereichert nicht und das sollten wir besser heute als morgen aus der Welt schaffen. Doch was unsere Heimat ausmacht, wir, unser Land und unsere Kultur, das gedeiht nur, wenn es Zeit und Gelassenheit zum natürlichen Wandel hat. Unsere Sprache funktioniert generationenübergreifend, weil sie sich gelassen verändert, davon legt schon das Wort Heimat Zeugnis ab: heimuoti hieß es vor tausend Jahren und trotz aller Wirren und Wandel der Zeit, braucht es nur wenig Fantasie um darin unser heutiges Wort Heimat zu erkennen. Auch in uns selbst steckt diese Gelassenheit. Wir erkennen uns in den Gemälden, Zeichnungen und Fotos unserer Vorfahren wieder, damals wie heute. Durch diese Gelassenheit ist jeder von uns tausende Jahre alt, gewachsen statt zufällig, ein Stück Geschichte, statt nur verstreichende Zeit.