Dem deutschen Staatsmann Otto von Bismarck zum 203. Geburtstag Ein Beitrag von Björn Höcke

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Apr 1, 2018 Kommentare deaktiviert für Dem deutschen Staatsmann Otto von Bismarck zum 203. Geburtstag Redaktion

Dieses Land leidet Mangel in vielen Bereichen. Aber einen Mangel empfinde ich mit jedem Tag, den ich in der politischen Sphäre der Gegenwart zubringe, als schmerzhafter:

Es der Mangel an Staatskunst bzw. an Staatsmännern, die selbige zu leben in der Lage sind!

Der „Staatsmann“ ist ein von der Wissenschaft kaum beachteter Forschungsgegenstand – die Literatur in diesem Bereich ist sehr übersichtlich. Vor kurzem schenkte mir ein Freund eines der wenigen einschlägigen Bücher. Es heißt „Der Staatsmann“ und wurde von Erich Schwinge in den 1980er Jahren verfaßt. Nach der Lektüre des Buches habe ich für mich vier zentrale Anforderungen an einen echten „Staatsmann“ formuliert:

1. Ein Staatsmann wägt die Folgen seiner Entscheidungen in Bezug auf das Leben aller Menschen ab. Ich betone aller Menschen. Aber eine besondere Verantwortung hat er denen gegenüber, für die er politische Führungsverantwortung übernommen hat.
2. Ein Staatsmann verfügt über historische Bildung.
3. Ein Staatsmann erkennt die Politik als Kunst des Machbaren. Aber es gibt Inhalte, die für ihn nicht verhandelbar sind und die er bereit ist, mit seiner politischen Karriere zu verknüpfen.
4. Ein Staatsmann weiß, daß jeder ersetzbar ist und daß alles seine Zeit hat. Und diese Bescheidenheit läßt ihn frühzeitig nach geeigneten Nachfolgern Ausschau halten, die er langfristig aufbaut.

Dieses Anforderungsprofil wurde in den letzten gut 100 Jahren weltweit von kaum einem Politiker erfüllt. Ja, das 20. Jahrhundert war eine staatsmannarme Zeit. Für die deutsche Gegenwartspolitik sieht es noch düsterer aus:
Läßt man die derzeit Regirungsverantwortlichen im Bund und den Ländern vor sein geistiges Auge treten, kommt man kaum umhin, die Berliner Republik als staatsmannfreie Zone zu bezeichnen!

Zurecht kritisiert Erich Schwinge, daß in der modernen Staatenwelt besonders mit dem Leben anderer Menschen leichtfertig umgegangen wird und der Krieg für viele an der Spitze der Staaten und Völker nicht jenes äußerste Mittel ist, das er sein sollte. Schwinge schreibt:
„Der allgemeine Niveauverlust kommt auch in der Entwicklung zum Ausdruck, die in der Einstellung zum Phänomen des Krieges zu beobachten ist. Bewaffnete Auseinandersetzungen werden heute in aller Welt willkürlich vom Zaune gebrochen, ohne daß eine Kriegserklärung vorausgeht. Das war nicht nur zu Zeiten Stalins und Hitlers so, das hat sich über ihren Tod hinaus fortgesetzt, und deshalb ist die Welt seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr zur Ruhe gekommen. Für die verantwortungsbewußten Staatsmänner des 19. Jahrhunderts war der Krieg seit der Niederringung Napoleons I. in der Regel nur noch äußerstes Mittel, zu dem man sich entschloß, wenn es gar nicht anders ging. Bloß Napoleon III. machte davon eine Ausnahme. Zum Nachteil der Menschheit ist das im 20. Jahrhundert anders geworden.“

Diese distanzierte Haltung zum Krieg, die die meisten Staatsmänner des 19. Jahrhundert zeigten, spiegelt sich auch in vielen Äußerungen Otto von Bismarcks wider.

Im April 1867 sagte er: „Man darf nicht Krieg führen, wenn es mit Ehren zu vermeiden ist; die Chance günstigen Erfolges ist keine gerechte Ursache, einen großen Krieg anzufangen.“

Im August des selben Jahres bekannte er: „Wer nur einmal in das brechende Auge eines sterbenden Kriegers auf dem Schlachtfeld geblickt hat, besinnt sich, bevor er einen Krieg anfängt.“

Und am 1. August 1892 bekräftigte er auf dem Marktplatz in Jena: „Ein Krieg, auch ein siegreicher, hat für die Nation keine wohltuende Folgen.“

Fest steht, daß die hier durchscheinende Emphatiefähigkeit nicht nur Teil der von mir postulierten ersten Anforderung an einen Staatsmann ist, sie ist nach meiner festen Überzeugung die Grundlage der Staatskunst. Otto von Bismarck besaß sie und war auch deshalb einer der wenigen großen deutschen Staatsmänner. Heute vor 203 Jahren erblickte er auf Schloß Schönhausen, in der damaligen Provinz Sachsen, das Licht der Welt.

Herzlichen Glückwunsch, Otto von Bismarck!